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BRIG- 19-1-2026 -- Die Zollposten auf beiden Seiten des Simplons sind längst Vergangenheit aber, bei die Gewohnheiten der Menschen im Norden und Süden haben sich wenig verändert. Ein Beispiel? Die unterschiedliche Art des Kaffegenusses scheint in Granit gemeisselt zu sein, wobei Schweizer in Italien lieber einen «Caffé italiano» geniessen als umgekehrt. Dafür lieben die italienischen Gäste die Süssigkeiten der Schweizer Konditoreien.

In Domodossola, nur 25 Zugsminuten von Brig entfernt, trinkt man den «Caffè» in kleinen, gewärmten Tassen und meist stehend an der Bar-Theke. Der «Caffè» muss unter einem hellbraunen Caffé-Schäumchen sein, cremig dunkelschwarz. Die kleine Tasse wird beim «Barista» als «Caffé» verlangt, mit den Varianten «macchiato» mit einem Schuss heisser oder kalter Milch.  

Dann gibt es noch alle möglichen Varianten: Den «Capuccino», wo, in einer etwa grösseren Tasse, auf dem Kaffee geschäumte Milch, gekonnt, gegossen wird. Oder dann gibt es den «Marocchino», einen Spezialität aus Alessandria im Piemont aus den 1950er Jahren: im kleinen Trinkglas mit bitter Schokolade, Caffé und geschäumten Rahm.

Der Preis am Thresen? Noch vor wenigen Jahren ein Euro, heute kostet der «Caffé» zwischen einem Euro und 1 Euro 30 Centimes.  Der «Cappuccino» bis 2 Euro. Trinkgeld geben nur noch wenige.

In der Schweiz hingegen dominiert der «Kafi crème», der eine schweizerische Eigenart ist und es so nirgends gibt. Für eingefleischte, italienische Caffè-Liebhaber ist er zuerst einmal Graus, weil zu dünn, wenig aromatisch und dazu rund 5 Euro kostet und zudem muss er an den Tischchen getrunken werden.

Für die Helvetier hingegen ist der «Kafi Crème» ein Stück Heimat. Serviert wird der café  mit einem «Beckeli» (Kapsel) in dem sich «Kaffeerahm» (verdünnte Saane/Milch) befindet. Das «Deckli» des kleinen Plastic Behälters zeigt Berge, Kühe und vieles mehr aus Geografie und Geschichte der Schweiz oder der Welt. Als brauchte es einen Beweis dafür, dass der «Kafi crème» das Nationalgetränk der Schweizer ist.  Der eher schwache schwarze Kaffee wird in einer mittelgrossen Tasse serviert, zusammen mit dem braunen «Beckeli Kafirahm», welches in den 1970er Jahren auf den Markt kam. Je nach Lust und Geschmack schüttet man den «Kafirahm» und auch Zucker in den schwarzen Kaffee und rührt mit dem kleinen Loeffel. Der Kaffeecrème ist fertig.

Man geniesst ihn meist an einem Tischen sitzend. In der Regel sitzt man mindestens eine Viertelstunde an einem «Kaffee Crème», aber auch ein Aufenthalt von einer Stunde ist keine Ausnahme. So lässt sich der hohe Preis erklären und die Schweizer sind bereit ihn auch auszulegen.

Andere Länder, andere Sitten – hier auch im Grenzraum zu beiden Seiten des Simplons.

Walter Finkbohner