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Als der Chronist letzthin in einem Restaurant in Domodossola das Nachtessen einnahm, bemerkte er eine grössere Gruppe, die sich an reservierten Tischen zu einem gemeinsamen Essen einfanden. «Tourismus» ausserhalb der Reisesaison? Der Hotelier erklärte es: Es handelte sich um eine der zahlreichen Reisgruppen aus bis zu 5 Bus-Stunden entfernten Städten und Dörfern Nord- und Zentralitaliens. Sie machen jeweils zwei Nächte Etappe in Domodossola und Umgebung.
Ziel der Reise ist am zweiten Tag ist die Panoramafahrt mit dem «Trenino verde delle Alpi BLS» ins Wallis und das BernerOberland am Fusse der berühmten Jungfrau. Inbegriffen ist auch eine Schifffahrt und der Besuch Berns. Am dritten Tag lässt man sich mit der romantischen «Vigezzina-Centovallina» via Santa Maria Maggiore nach
Locarno am Lago Maggiore fahren. Dann geht die Reise wieder nach Hause.
Ja, diese vielen Reisegruppen übernachten in und um Domodossola, weil wichtige Leute des schweizerischen Verkehrsdepartements vor Jahren die richtigen «Weichen» bei den Investitionen im Raume Wallis und Berneroberland gestellt haben.
Investitionen die der erweiterten Simplon/Gran San Bernard Region mit sanftem Tourismus wirtschaftlichen Gewinn ermöglichen.
Beginnen wir mit Frau Anna Barbara Remund, Ingenieurin, die in diesen Tagen als Vizedirektorin des Bundesamtes Verkehr in die aktive Pension ging. Ihr und ihrem Team ist es zu verdanken, dass die historische Strecke der Lötschbergbahn über Kandersteg und Goppenstein (ca.1200 müM) bereits bei der Eröffnung des Basis-Tunnels sogar für den Tourismus noch aktiver wurde: Mit dem Einsatz der eleganten, bequemen «Lötschberger-Züge» blühte die Reise durch die Alpen der Aletsch-Region auf. Heute fahren diese Züge bereits ab Domodossola, unter dem treffenden Namen als «Trenino verde delle alpi BLS» und ziehen Gäste aus der ganzen Welt an.
Der Stellvertretende Direktor des Bundesamtes, Martin von Kaenel, ist ebenfalls kein «nur» verwaltender Chef-Beamter, der mit dem Budget der Eidgenossenschaft stark zum Besten öffentlichen Verkehr der Welt beiträgt. Er selbst leitet über diverse Jahre die Verkehrsbetriebe in der Gegend um Martigny, wo zu Beispiel das Ferienort Verbier, der Zugang zum Grand Sankt Bernhard aber auch die kleine Zahnrad-Bahn nach Frankreich liegt.
Er kreierte mit seinen motivierten Leuten den «Grand San Bernard Express», der auch an den bekannten Lawinenhund Barry erinnert, und den schmalspurigen «Mont Blanc-Express», welcher bis zum Fuss der riesigen Eispyramide in Chamonix vorstösst. Der touristische Wert der Bahnen ist in der ganzen Gegend ist anerkannt,
nicht zuletzt hat auch das Museum «Barry-Land» eine eigene Bahnstation, Martigny Bourg.
Mit anderen Worten, es ist wichtig grosse Infrastrukturen zu verwirklichen, aber man darf die durchfahrene Region nicht vergessen. Anna Barbara Remund und Martin von Kaenel sind dazu als Planer und Umsetzer ausgezeichnete Beispiele.
Walter Finkbohner

