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bls cargo

WALLIS - 21-11-2024 -- Am Forum der Schweizer Bahnjournalisten im zentralschweizerischen Rotkreuz ging es um das Thema des Bahngüterverkehrs, sei es um den Transitverkehr oder denjenigen im Lande selbst.

Beim Apèro Gespräch kam man auch auf den nunmehr seit 17 Jahren im Betrieb stehenden Lötschbergbasis-Tunnel zu sprechen.  Wie wäre heute die Wirklichkeit, wenn das Berneroberland und das Wallis zu einem EU-Staat gehören würden? Vermutlich wäre von Basel bis nach Domodossola eine vier- bis sechsspurige Autobahn gebaut worden, auf welcher Tag und Nacht bis 40'000 Fahrzeuge, davon 7000 Lastwagen, durch die Täler donnerten; und dies bei sehr hohen Autobahngebühren.

 

Für die einheimische Bevölkerung wäre jede Autofahrt mühsam. Wer dies nicht glaubt, findet dieses Verkehrsproblem täglich auf der Brennerautobahn im Südtirol.

Warum dieses Schreckensszenarium nicht Wirklichkeit ist, verdankt man der helvetischen Verkehrspolitik, welche vor allem im Transitverkehr auf den Schienen-Gütertransport setzt.

Aber warum sind wir in der Schweiz so von der Bahn überzeugt, um seit Jahrzehnten hohe Milliardenbeträge in das Schienennetz zu investieren?

Das Geheimnis liegt in der Geschichte: 1902 wurden die grössten privaten Bahnen in der Schweiz durch eine Abstimmung in den Besitz des Volkes übergeführt. Jeder Schweizer wurde so zum «Mitinhaber seiner Bahn» die pünktlich und kundennah betrieben werden muss. Dies zum Nutzen der Einwohner und der Touristen im Personenverkehr und für die Wirtschaft im Güterverkehr. Ein Erfolgsrezept, welches es im Lande vielen ermöglicht, auch ohne Auto bequem leben zu können.

Da der Güterverkehr auch auf den Schienen immer an den Personenverkehr gebunden ist, berieten am Forum der ehemalige Chef des Bundesamtes für Verkehr, Peter Füglistaler, und die Vertreter diverser Güterbahnen mit den auf Bahnen spezialisierten Journalisten über die Möglichkeiten den internen Güterverkehr und den internationalen Transitverkehr zu rationalisieren und zu fördern.

Der Chef von BLS-Cargo, Dirk Stahl, zeigte sich erfreut, dass die Simplon Strecke auf italienischem Staatsgebiet in den nächsten Jahren mit eidgenössischen Subventionen (200 mio Frs) für den Transport von Containern und Lastwagen-Ladebrücken ausgebaut wird.  Dass aber dafür immer wieder lange Streckensperrungen in Kauf genommen werden, verursacht hohe Kosten und hemmt den Verkehr übermässig. Ein anderer Referent forderte, dass mit bestehenden Umfahrungsstrecken auch im nahen Italien totale Streckensperrungen verhindert werden könnten, wie dies bereits in der Schweiz praktiziert wird.  Er meinte dabei die Linie von Domodossola dem Ortasee entlang nach Novara wie auch die Linie von Mendriso über Varese in Richtung Mailand. Beide Strecken sind elektrifiziert und mit neuer Stellwerktechnik ausgerüstet.

Ein Blick auf die Autobahnen zeigt, dass auch dort Unterhaltsarbeiten an der Tagesordnung sind, aber noch niemandem würde es in den Sinn kommen eine Strecke über Monate für Ausbauarbeiten oder Unterhalt vollständig zu sperren. Ausgenommen sind lange Autoalpentunnels, welche eine Gesamtrenovation brauchen.

Gerade zwischen Iselle und Domodossola sind lange Sperrungen bis ins Jahr 2027 geplant. Ein weiteres Problem sind die langen Bewilligungsprozeduren in Italien, welche den Einsatz von neuen Lokomotiven und Zügen verzögern, und hohe Kosten verursachen. Auf der Strasse hingegen fahren Lastwagen z.B. von Polen durch ganz Italien ohne spezielle nationale Bewilligungen,

Nicht nur die BLS sondern alle anderen Güterbahnen sind für jegliche Hilfe dankbar, welche den umweltfreundlichen Güterverkehr auf den Schienen fördern. Nicht zu vergessen, so der Moderator des Forums, Kurt Metz, benötigen Güter- und Personenzüge sechs Mal weniger Energie als der Strassenverkehr. Die glatten Stahlschienen und Stahlräder ermöglichen ein «Gleiten» auf Schienen mit einem Minimum an Energie. Saubere elektrische Energie die in der Schweiz zu 90% aus Wasserkraft produziert wird.

Walter Finkbohner